Nachhaltiges Mehrstetten

Nahwärme – innovativ und verantwortungsvoll

Beim Jahresempfang der Gemeinde Mehrstetten am 10. Oktober 2018 wurde auch das Projekt „Nachhaltiges Mehrstetten: Nahwärme – innovativ und verantwortungsvoll“ vorgestellt. Alle Bürgerinnen und Bürger wurden eingeladen, ihre Ideen für eine nachhaltige Gemeindeentwicklung in Mehrstetten online oder per Fragebogen einzubringen. Die Fragebögen wurden ausgewertet und die Ergebnisse bei einer Informationsveranstaltung vorgestellt.

Nahwärmenetz in Mehrstetten wird konkret – Interesse der Bürgerschaft ist groß

Die gut besuchte Veranstaltung am 18. Dezember mit etwa 40 Teilnehmern im Bürgersaal zeigt: Seit dem Projektstart „Nachhaltiges Mehrstetten“ ist viel passiert. Bereits beim Jahresempfang im Oktober wurden die Chancen eines Nahwärmenetzes in Mehrstetten mit erneuerbaren Energien vorgestellt. Die großen kommunalen Waldflächen, der zeitgleich geplante Ausbau des Glasfasernetzes sowie die Weiterentwicklung der Ortsmitte mit Marktplatz 11 und Marktplatz 19 lassen sich optimal kombinieren. Der Zeitpunkt für Synergieeffekte, z.B. die Kosteneinsparungen beim Tiefbau, könnte nicht besser sein.

Bürgermeisterin Kenntner betonte bei der Begrüßung, dass die Nahwärme eine große Chance für die nachhaltige Gemeindeentwicklung darstellt und grundsätzlich nicht nur der Ortskern, sondern auch das Greut mit eingeladen ist, an diesem Prozess teilzunehmen. Zugleich setzte sie ein klares Ausrufezeichen für Nahwärme, als sie verriet, dass der Neubau von Marktplatz 11 definitiv ohne eigene Heizungsanlage geplant und gebaut wird.

Als erster Redner der Veranstaltung stellte Abrahim Dold von der KlimaschutzAgentur im Landkreis Reutlingen die Ergebnisse der Bürgerbefragung vor. Die Auswertung verdeutlicht, dass ein großes Einsparpotenzial bei den überwiegend älteren Gebäuden besteht. Da liegt es nahe, dass rund ein Drittel der Befragten angegeben haben, sehr gerne die im Rahmen des Projekts kostenlos angebotenen Vor-Ort Checks an Gebäude und Heizung sowie vergünstigt auch Aufnahmen mit einer Wärmebildkamera in Anspruch zu nehmen. Die Durchführung dieser Checks durch eine unabhängige Energieberaterin der Klimaschutzagentur und Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist für Januar vorgesehen. Infos dazu wird es im Mitteilungsblatt geben.

In Bezug auf Nahwärme kann sich jeder Dritte der Befragten grundsätzlich vorstellen, sein Gebäude anschließen zu lassen. Abrahim Dold verdeutlichte in diesem Zusammenhang, dass sich die Ausgaben für den Einkauf von Heizöl für Privathaushalte und kommunale Liegenschaften in Mehrstetten jährlich auf rund eine Million Euro summieren – Mittel, die der regionalen Wertschöpfung entgehen.

Hier könnte die Nutzung von Holz-Hackschnitzeln zur Wärmeversorgung Abhilfe schaffen. Philipp Unöder von ENERPIPE erläuterte die technischen und wirtschaftlichen Grundlagen zur Umsetzung eines Nahwärmenetzes in Mehrstetten. Die Größe des Nahwärmenetzes hängt dabei entscheidend vom aktuellen Interesse der Bewohner und der so genannten Wärmedichte ab, also der räumlichen Verteilung der Anschlussnehmer.

Unöder betonte ausdrücklich, dass mit den aktuellen Fördermitteln die Realisierung ausgehend von der Schule als Standort für die Heizzentrale wirtschaftlich sehr attraktiv ist. Seinen ersten Berechnungen zufolge können Haushalte mit Anschluss an die Nahwärme gegenüber Heizöl jährlich bares Geld einsparen. Dabei wurden die Synergieeffekte durch den Glasfaser-Ausbau sogar noch nicht berücksichtigt. Außerdem sei für eine realistische Kalkulation des Nahwärmenetzes das aktuelle Interesse ausschlaggebend. Jeder, der in naher Zukunft von Nahwärme profitieren möchte, sollte möglichst jetzt sein Bekenntnis dazu äußern. Alle Anschlussnehmer profitieren davon, wenn noch einige Interessenten aus der Nachbarschaft mitanschließen. Ein nachträglicher Anschluss sei dagegen wirtschaftlich und bautechnisch deutlich schwieriger realisierbar.

Die beiden Präsentationen der KlimaschutzAgentur und der Firma Enerpipe können Sie hier ansehen.

Der zweite, konkretisierte Erhebungsbogen liegt auf dem Rathaus aus und ist hier abrufbar. Interessenten – auch diejenigen, die den Fragebogen vom Jahresempfang 2018 bereits abgegeben haben – sind aufgerufen, diesen Bogen mit ihren Energieverbrauchsangaben auszufüllen und der Gemeinde zukommen zu lassen, damit die Berechnungen durchgeführt werden können.